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Zahlungsbilanz im ersten Halbjahr 2004 15

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Q 4/04

S t a t i s t i k e n

D a t e n & A n a l y s e n

(2)

Schriftleitung:

Aurel Schubert, Gerhard Kaltenbeck, Eva-Maria Nesvadba Koordination: Manfred Fluch, Irmgard Wenko

Redaktion:

Oesterreichische Nationalbank, Abteilung fu‹r volkswirtschaftliche Analysen Technische Gestaltung:

Peter Buchegger (Grafische Gestaltung)

Hausdruckerei der OeNB (Layout, Satz, Druck und Herstellung) Ru‹ckfragen:

Oesterreichische Nationalbank, Hauptabteilung Statistik/Statistik Hotline oder Sekretariat des Direktoriums/O‹ffentlichkeitsarbeit 1090 Wien, Otto-Wagner-Platz 3

Postanschrift: Postfach 61, 1011 Wien Telefon: Statistik Hotline (+43-1) 40420-5555

Sekretariat des Direktoriums/O‹ffentlichkeitsarbeit (+43-1) 40420-6666 Telefax: Statistik Hotline (+43-1) 40420-5499

Sekretariat des Direktoriums/O‹ffentlichkeitsarbeit (+43-1) 40420-6698 E-Mail: [email protected] und [email protected]

Internet: www.oenb.at

Weitere Bestellungen/Adressenmanagement:

Oesterreichische Nationalbank, Dokumentationsmanagement und Kommunikationsservice 1090 Wien, Otto-Wagner-Platz 3

Telefon: (+43-1) 40420-2345 Telefax: (+43-1) 40420-2398 E-Mail: [email protected] Internet: www.oenb.at

Impressum:

Medieninhaber (Verleger), Herausgeber und Hersteller:

Oesterreichische Nationalbank 1090 Wien, Otto-Wagner-Platz 3

Gu‹nther Thonabauer, Sekretariat des Direktoriums/O‹ffentlichkeitsarbeit Internet: www.oenb.at

Druck: Oesterreichische Nationalbank, 1090 Wien ' Oesterreichische Nationalbank, 2004 Alle Rechte vorbehalten.

Reproduktionen fu‹r nicht kommerzielle Verwendungen und Lehrta‹tigkeiten sind unter Nennung der Quelle freigegeben.

DVR 0031577

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von Juni bis August 2004 9 Ergebnisse der Gesamtwirtschaftlichen Finanzierungsrechnung im ersten Halbjahr 2004 12 Abschwa‹chung der Direktinvestitionen — Direktinvestitionsstatistik im ersten Halbjahr 2004 14 Gu‹terexporte als Triebfeder fu‹r Leistungsbilanzu‹berschuss —

Zahlungsbilanz im ersten Halbjahr 2004 15

A na ly s e n

Executive Summary/U ‹ bersicht 18

Wesentliche Entwicklungen im Bereich der Finanzinstitute 20

Ralf Dobringer

Ertragslage der in O ‹ sterreich ta‹tigen Kreditinstitute — unkonsolidiert 28 Margarita Schandl-Greyer

Triennial Central Bank Survey 2004 u‹ber die Entwicklungen auf den internationalen

Devisen- und Derivativma‹rkten — Ergebnisse der BIZ-Studie fu‹r O ‹ sterreich 35 Bettina Lamatsch

Direktinvestitionen O ‹ sterreichs — Ergebnisse der Befragung 2002 und Entwicklung

ausgewa‹hlter Indikatoren 43

Rene« Dellmour

Internationale Vermo‹gensposition O ‹ sterreichs im Jahr 2003 59

Matthias Fuchs

Redesign des Statistikangebots der OeNB 72

Manfred Fluch, Irmgard Wenko

Dat e n

Tabellenu‹bersicht D 2

1 OeNB, Eurosystem und Moneta‹rindikatoren D 6

2 Zinssa‹tze und Wechselkurse D 18

3 Finanzinstitutionen D 31

4 Wertpapiere D 69

5 Zahlungsmittel und Zahlungssysteme D 72

6 Preise, Wettbewerbsfa‹higkeit D 75

7 Realwirtschaftliche Indikatoren D 80

8 Gesamtwirtschaftliche Finanzierungsrechnung D 93

9 Au§enwirtschaft D 97

10 Internationale Vergleiche D 108

Erla‹uterungen D 122

Index D 137

H i n w e i s e

Abku‹rzungen H 2

Verordnungen der Oesterreichischen Nationalbank H 3

Verordnungen der Europa‹ischen Gemeinschaft H 4

U ‹ bersicht zu Statistiken — Daten & Analysen H 5

Periodische Publikationen der Oesterreichischen Nationalbank H 7

Adressen der Oesterreichischen Nationalbank H 10

Stat i s t i k e n Q 4 / 0 4 3

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Dem in jedem Heft erscheinenden U ‹ berblicksartikel zu wesentlichen Entwicklun- gen im Bereich der o‹sterreichischen Finanzinstitutionen folgt diesmal eine Analyse der Entwicklung der Ertragslage der Banken in O‹sterreich im ersten Halbjahr 2004.

Darin zeigen sich durchaus erfreuliche Tendenzen einer gegenu‹ber 2003 verbesserten Gewinnsituation. Weiters entha‹lt dieses Heft eine Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse der alle drei Jahre stattfindenden Erhebung der Bank fu‹r Internationalen Zahlungsausgleich u‹ber die weltweiten Umsa‹tze im Devisen- und im Derivativ- gescha‹ft. Die OeNB wirkt regelma‹§ig an diesen Erhebungen mit und ist fu‹r die o‹ster- reichischen Daten zusta‹ndig. Dabei zeigte sich im April 2004 gegenu‹ber April 2001 eine starke Ausweitung der Gescha‹ftsumsa‹tze in O‹sterreich: eine Verdreifachung bei den OTC-Derivativen und ein Anstieg um rund zwei Drittel auf dem Devisenmarkt.

Der Entwicklung der o‹sterreichischen Direktinvestitionen ist — wie schon im vor- angegangenen Heft im Rahmen eines Kurzberichts angeku‹ndigt — die vierte Analyse gewidmet. Als Basis dieses Beitrags dient die ja‹hrliche Erhebung der OeNB u‹ber die Direktinvestitionen O‹sterreichs. Direktinvestitionen sind ein wichtiger Teilbereich der Internationalen Vermo‹gensposition O‹sterreichs. Dieser ist der fu‹nfte Analysebeitrag dieser Ausgabe gewidmet. Darin zeigt sich, dass die traditionelle Netto-Schuldner- position O‹sterreichs 2003 abgenommen hat. Schlie§lich wird im letzten Artikel der Prozess der Neukonzeption des statistischen Informationsangebots der OeNB na‹her beleuchtet. Die OeNB versteht sich als das Kompetenzzentrum fu‹r Finanzstatistik und sieht es daher als ihre Aufgabe, umfassend und benutzerfreundlich die von ihr erstellten Statistiken der O‹ffentlichkeit zur Verfu‹gung zu stellen. Dazu dienen ihr insbesondere die OeNB-Homepage (www.oenb.at unter ªStatistik und Melderservice), als auch das Ihnen vorliegende Quartalsheft ªStatistiken — Daten & Analysen.

Das na‹chste Heft, Q1/05, ist fu‹r Mitte Ja‹nner 2005 geplant. Damit werden wir

— nach der U ‹ bergangsperiode der ersten beiden Hefte — auf den geplanten Vero‹ffent- lichungskalender, jeweils Mitte Ja‹nner, Mitte April, Mitte Juli und Mitte Oktober, u‹berwechseln.

Gleichzeitig mit dem vorliegenden Heft Q4/04 erscheint auch bereits das zweite Sonderheft, diesmal zum Thema ªFinanzvermo‹gen 2003. Darin werden die wich- tigsten Ergebnisse der Gesamtwirtschaftlichen Finanzierungsrechnung O‹sterreichs fu‹r das Jahr 2003 dargestellt. Es wird ku‹nftig ja‹hrlich in dieser Form erscheinen.

Aurel Schubert Gerhard Kaltenbeck Eva-Maria Nesvadba

Stat i s t i k e n Q 4 / 0 4 5

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Redaktionsschluss: 15. Oktober 2004

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Gescha‹ftsentwicklung der Kreditinstitute von Ja‹nner bis August 2004

Im Rahmen dieses Kurzberichts werden die neuesten Entwicklungen bis Ende August 2004 dargestellt. Dieser Beitrag ist somit als Update zur ebenfalls im Heft befindlichen Analyse ªWesentliche Ent- wicklungen im Bereich der Finanz- institute zu verstehen.

Bilanzsumme

Die Entwicklung der unkonsolidier- ten Bilanzsumme der in O ‹ sterreich meldepflichtigen Kreditinstitute zeig- te von Ja‹nner bis Ende August 2004 ein stetiges Wachstum: Seit Anfang des Jahres stieg sie um 35,78 Mrd EUR (+5,9%) auf einen Ho‹chststand von 640,88 Mrd EUR.

Bei sektoraler Betrachtung hat sich die Reihenfolge der Marktanteile, ge- messen an der Gesamtbilanzsumme, gegenu‹ber Dezember 2003 nicht ge- a‹ndert. Selbst wenn man von der Reihenfolge absieht und sich aus- schlie§lich an den Marktanteilen (in Prozent) orientiert, ergaben sich nur sehr geringfu‹gige Vera‹nderungen.

Der Sparkassensektor belegte im August 2004 mit einem Marktanteil von 35,4% (Dezember 2003:

35,6%) den ersten Platz. An zweiter Stelle folgte der Raiffeisensektor mit 23,2% (23,8%) vor den Aktienbanken mit 15,6% (16,2%). Die Sonderban- ken erzielten einen Marktanteil von 8,7% (8,4%), die Landes-Hypothe- kenbanken 7,9% (7,6%), die Volks- banken 5,3% (5,3%) und die Bauspar- kassen 3,1% (3,2%). Der Anteil der

Zweigstellen gema‹§ ⁄ 9 BWG

1

war 0,8%.

Der Marktanteil der zehn gro‹§ten Banken, gemessen an der Bilanz- summe, verharrte mit 54,6% nahezu auf demselben Niveau wie zu Ende des Jahres 2003 (Marktanteil Dezem- ber 2003: +54,5%), jener der fu‹nf gro‹§ten Banken blieb mit 44,5% un- vera‹ndert.

Kredite

In den ersten acht Monaten 2004 konnte ein Wachstum im Kredit- gescha‹ft von 1,9% auf einen Stand von 244,0 Mrd EUR zum 31. August 2004 festgestellt werden.

Sowohl bei den Euro-Krediten als auch bei den Fremdwa‹hrungskrediten wurde gegenu‹ber Dezember 2003 ein Zuwachs verzeichnet. Wa‹hrend die Euro-Kredite jedoch nur geringfu‹gig sta‹rker als in der Vergleichsperiode des Vorjahres stiegen (+0,7%; Ja‹nner bis August 2003: +0,5%), entwickel- ten sich die Fremdwa‹hrungsausleihun- gen wechselkursbereinigt mit einem Plus von 6,1% in diesem Zeitraum deutlich dynamischer (Ja‹nner bis August 2003: +4,2%). Der Fremd- wa‹hrungsanteil an den gesamten Kre- ditausleihungen lag zum 31. August 2004 (unvera‹ndert zum 31. Dezember 2003) bei rund 19%.

Einlagen

Von Ja‹nner bis August 2004 wurde im Einlagengescha‹ft ein bescheidenes

1

Der Sektor Zweigstellen gema‹§ ⁄ 9 BWG (= Zweigstellen gema‹§ Niederlassungsfreiheit) wird erst seit Juni 2004 gesondert ausgewiesen. Bisher waren die meldepflichtigen Zweigstellen auf die einzelnen Bankensektoren aufgeteilt (z. B. zwei Banken waren dem Raiffeisensektor zugeho‹rig, vier dem Sonderbankensektor usw.). Durch die neue Sektorgliederung seit Juni 2004 kann es dadurch noch keine historischen Vergleichsdaten auf sektoraler Basis geben.

Reinhard Konczer

8 Stat i s t i k e n Q 4 / 0 4

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Wachstum von 1,5% (Vorjahresperi- ode: +1,8%) beobachtet, was einen Gesamteinlagenstand der in O ‹ ster- reich ta‹tigen Kreditinstitute von 204,02 Mrd EUR ergab. Die Sektoren Sonderbanken (+34,5%), Landes- Hypothekenbanken (+5,4%), Volks- banken (+4,7%) und Bausparkassen (+3,2%) meldeten Zuwa‹chse, wa‹h- rend die Sektoren Aktienbanken (—1,3%), Sparkassen (—0,7%) sowie die Raiffeisenbanken (—0,3%) Ru‹ck- ga‹nge verbuchten.

In allen Einlagenkategorien konnte von Ja‹nner bis August 2004 ein Zu- wachs verzeichnet werden. In der anteilsma‹§ig gro‹§ten Einlagenkate- gorie, den Spareinlagen (133,42 Mrd EUR), lag das Wachstum mit 0,9%

knapp unter dem Wert des Vorjahres (+1,2%). Bei den Sichteinlagen wurde mit 2,4% ein deutlich schwa‹- cherer Anstieg als im Vergleichszeit- raum des Vorjahres (+9,9%) ver-

zeichnet, wa‹hrend bei den Terminein- lagen der negative Vorjahrestrend (—9,8%) sogar in ein positives Wachs- tum (+3,4%) gedreht werden konnte.

Auslandsforderungen und Auslandsverbindlichkeiten

Entsprechend der Entwicklung in der Vergleichsperiode des Vorjahres er- ho‹hten sich die Auslandsforderungen von Ja‹nner bis August 2004 um 13,3% (Vorjahresperiode: +13,5%) und die Auslandsverbindlichkeiten um 9,8% (Vorjahresperiode: +8,5%). Der Trend, dass sich die Forderungen und die Verbindlichkeiten gegenu‹ber dem Ausland u‹ber die letzten Jahre betragsma‹§ig immer mehr anglei- chen, setzte sich fort. Zum 31. August 2004 u‹berstiegen die Forderungen (197,43 Mrd EUR) die Verbind- lichkeiten (197,35 Mrd EUR) nur marginal.

Die Entwicklung der Kundenzinssa‹tze der Banken in O ‹ sterreich und im Euroraum von Juni bis August 2004

Private Haushalte und kleine Unternehmen

profitierten von Zinssatz- senkungen mehr als

Gro§kreditnehmer

Bei einem von Juni auf August 2004 leicht sinkenden EZB-Hauptrefinan- zierungssatz (um 0,01 Prozentpunkte auf 2,01%) und sinkenden Zwischen- bankzinssa‹tzen (der 12-Monats-EURI- BOR sank im gleichen Zeitraum um 0,10 Prozentpunkte auf 2,30%), gab es bei den Kreditzinssa‹tzen im Neu- gescha‹ft ein uneinheitliches Bild. Die Durchschnittszinssa‹tze fu‹r Konsum- kredite bzw. Wohnbaukredite der privaten Haushalte verringerten sich

gegenu‹ber dem Berichtstermin Juni um 0,12 bzw. 0,16 Prozentpunkte auf 5,11% bzw. 3,77%. In der Kate- gorie Kredite an nichtfinanzielle Un- ternehmen konnten kleinere Unter- nehmen (die Zinssa‹tze fu‹r Kredite mit Volumen bis zu 1 Mio EUR san- ken gegenu‹ber Juni um 0,03 Prozent- punkte) in geringem Ausma§ von ru‹ckla‹ufigen Zinssa‹tzen profitieren.

Der Durchschnittszinssatz fu‹r neu vergebene Gro§kredite (mit Volumen von u‹ber 1 Mio EUR) stieg hingegen, u‹ber den gleichen Zeitraum gesehen, deutlich um 0,08 Prozentpunkte auf 2,98% und erreichte damit den ho‹ch- sten Wert seit Ja‹nner 2004.

Michael Strommer

Stat i s t i k e n Q 4 / 0 4 9

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Bei den Zinssa‹tzen u‹ber das aus- haftende Gesamtvolumen konnten sta‹rkere Vera‹nderungen als im Neuge- scha‹ft verzeichnet werden. Insbeson- dere die Zinsen fu‹r Wohnbaukredite mit einer Laufzeit von bis zu 1 bzw.

1 bis 5 Jahren reduzierten sich gegen- u‹ber dem Ende des vorigen Quartals um 0,14 bzw. 0,15 Prozentpunkte und erreichten mit 4,82% bzw.

3,64% historische Tiefststa‹nde seit der Einfu‹hrung der EZB-Zinssatz- statistik im Ja‹nner 2003. Die Zins- satzentwicklung der Gesamtbesta‹nde war nahezu in allen Kategorien, abge- sehen von den Kategorien Konsum- kredite an private Haushalte mit ver- einbarter Laufzeit u‹ber 5 Jahre und Kredite an nichtfinanzielle Unterneh- men u‹ber 5 Jahre, in denen die Zins- sa‹tze stagnierten, leicht ru‹ckla‹ufig.

Bei den Fremdwa‹hrungskrediten gab es von Juni bis August 2004 An- stiege zu verzeichnen. Der Zinssatz fu‹r CHF-Kredite stieg gegenu‹ber dem Berichtstermin Juni um 0,06 Prozentpunkte auf 1,70%, wobei dies bereits der vierte Anstieg in Folge seit April 2004 war. Im Gegensatz zu den Vormonaten war im August auch das Volumen der Neuabschlu‹sse ru‹ckla‹u- fig. Eine Erho‹hung um 0,11 Prozent- punkte konnte ebenfalls bei den JPY- Krediten verzeichnet werden. Hier muss aber betont werden, dass kaum mehr neue Kreditvertra‹ge in JPY ab- geschlossen wurden und diese Kate- gorie daher sehr volatil und von gro‹§eren Einzelgescha‹ften gepra‹gt war.

Stagnation bei Spar- einlagen — Tendenz eher ru ‹ ckla ‹ ufig

Bei den Neugescha‹fts-Zinssa‹tzen fu‹r Einlagen lie§en sich im August gerin- gere Vera‹nderungen beobachten. Die Tendenz war aber — abgesehen von

Einlagen mit la‹ngerer Laufzeit (u‹ber 2 Jahre) — durchwegs ru‹ckla‹ufig. Bei den Spareinlagen gab es, u‹ber alle Kategorien betrachtet, gegenu‹ber dem Ende des zweiten Quartals 2004 einen geringfu‹gigen Ru‹ckgang von 0,01 Prozentpunkten auf 2,21%.

Dafu‹r verantwortlich waren insbeson- dere die Spareinlagen mit einer Lauf- zeit von bis zu 1 Jahr, die um 0,07 Prozentpunkte auf 1,93% sanken. In der Laufzeitkategorie 1 bis 2 Jahre konnte mit einem Zinssatz von 2,07% ein historischer Tiefststand seit der Einfu‹hrung der EZB-Zinssatz- statistik verzeichnet werden. Ebenfalls eine leicht ru‹ckla‹ufige Tendenz zeigte sich bei den Einlagen von nichtfinan- ziellen Unternehmen, wo gegenu‹ber Juni 2004 ein Ru‹ckgang von 0,02 Pro- zentpunkten auf 1,95% im Aggregat beobachtet werden konnte.

Kundenzinssa ‹ tze in O ‹ sterreich weiterhin

gu ‹ nstiger als im Euroraum

Bei einem Vergleich mit den Neu- gescha‹fts-Zinssa‹tzen des Euroraums fielen besonders Wohnbaukredite auf, die in O ‹ sterreich mit 3,77% deutlich billiger als im Euroraum-Durchschnitt (4,05%) waren. Die Entwicklung in dieser Kategorie verlief in den ersten beiden Monaten des dritten Quartals in O ‹ sterreich entgegengesetzt zur Entwicklung des Euroraums. Wa‹h- rend in O ‹ sterreich der Zinssatz in dieser Kategorie gegenu‹ber Juni 2004 um 0,16 Prozentpunkte sank, stieg er im selben Zeitraum im Euroraum um 0,12 Prozentpunkte. Somit spie- gelte sich im Euroraum, mit zeitlicher Verzo‹gerung und abgeschwa‹cht in dieser Kategorie, der Anstieg der Zwischenbankzinssa‹tze (der 12-Mo- nats-EURIBOR stieg von Ma‹rz bis Juni 2004 um 0,34 Prozentpunkte) wider. Wesentlicher Faktor fu‹r diese

1 0 Stat i s t i k e n Q 4 / 0 4

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Entwicklung du‹rfte, neben dem in diesem Segment nach wie vor sehr starken Wettbewerb, der Umstand ge- wesen sein, dass die o‹sterreichischen Bausparkassen — um gegen die Fremd- wa‹hrungskonditionen bestehen zu ko‹nnen — a‹u§erst gu‹nstige Zwischen- finanzierungen (in der Regel in der Kategorie mit 18 Monaten Bindungs- frist) angeboten haben. Dies ver- deutlicht sich an der Kategorie 1 bis 5 Jahre Zinsbindung, wo der Zinssatz in O ‹ sterreich (mit 3,24%) relativ weit unter dem Durchschnittszinssatz des Euroraums lag (4,19%).

Die gleiche Tendenz spiegelte sich im Bereich der Konsumkredite in noch sta‹rkerem Ausma§ wider. Im Euroraum stieg seit dem Ende der ers- ten Ha‹lfte des Jahres 2004 der Zins- satz fu‹r Konsumkredite um 0,30 Pro- zentpunkte auf 7,50%. Die starke Aufwa‹rtsentwicklung wurde ins- besondere durch sehr starke Anstiege in zwei su‹dlichen La‹ndern verursacht.

In O ‹ sterreich hingegen konnte eine Zinssatzsenkung von 0,12 Prozent- punkten auf 5,11% beobachtet wer- den. Die Zinssatzreduktion gab es im gleichen Ausma§ auch beim Effektiv- zinssatz.

Im Unternehmenskreditbereich wurden in O ‹ sterreich vergleichsweise niedrige Zinssa‹tze vergeben. Speziell in der Kategorie Unternehmenskre- dite mit Volumen von bis zu 1 Mio EUR zeigte sich der Zinsvorteil be- sonders deutlich. In O ‹ sterreich wurde im August in dieser Kategorie ein Zinssatz von 3,50% vergeben, wa‹h- rend im Euroraum durchschnittlich ein Zinssatz von 4,15% registriert wurde. Bei Betrachtung der Entwick- lung zwischen Juni und August 2004 la‹sst sich erkennen, dass der Zins- vorteil von o‹sterreichischen Unter- nehmen gegenu‹ber dem Euroraum deutlich von 0,53 auf 0,65 Prozent-

punkte anstieg. Im Gro§kreditbereich verlief die Entwicklung entgegen- gesetzt. In der Kategorie Unterneh- menskredite u‹ber 1 Mio EUR sank der Zinsvorteil der o‹sterreichischen Unternehmen — bei zuru‹ckgehenden Neuabschlu‹ssen — von 0,20 auf 0,09 Prozentpunkte (der Zinssatz in dieser Kategorie betrug in O ‹ sterreich im August 2004 2,98% und im Euroraum 3,07%).

Im Einlagenbereich konnte eben- falls eine unterschiedliche Entwick- lung zum Euroraum beobachtet wer- den. Die Zinssa‹tze fu‹r Einlagen von privaten Haushalten sanken in O ‹ ster- reich im Aggregat von Juni bis August 2004 geringfu‹gig um 0,02 Prozent- punkte auf 2,01%, wa‹hrend diese im Euroraum leicht (um 0,04 Prozent- punkte) auf 1,96% stiegen. Wa‹hrend der letzten zwei Monate sank ins- besondere bei den langfristigen Ein- lagen (u‹ber 2 Jahre) der Vorteil, den O ‹ sterreichs Kunden gegenu‹ber dem Durchschnittskunden im Euro- raum hatten. Im Euroraum stieg der Durchschnittszinssatz fu‹r Einlagen u‹ber 2 Jahre um 0,26 Prozentpunkte von 2,40% auf 2,66%. In O ‹ sterreich hingegen sank der entsprechende Zinssatz marginal von 2,75% auf 2,74%.

Bedingt durch den deutlichen An- stieg bei den Gro§krediten stieg die Spanne zwischen dem Durchschnitts- zinssatz u‹ber alle neu vergebenen Kredite und jenem u‹ber alle neuen Einlagen in O ‹ sterreich gegenu‹ber Juni 2004 um 0,03 Prozentpunkte auf 1,39%. Eine noch deutlichere Erho‹- hung konnte allerdings im Euroraum beobachtet werden, wo die Spanne zwischen Juni und August 2004 von 1,80% auf 1,89% stieg. Damit erho‹hte sich die Differenz zwischen der Spanne in O ‹ sterreich und im Euroraum um 0,06 auf 0,50 Prozentpunkte.

Stat i s t i k e n Q 4 / 0 4 1 1

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Ergebnisse der Gesamtwirtschaftlichen Finanzierungs- rechnung im ersten Halbjahr 2004

Vermo ‹ genssituation der privaten Haushalte

Das Finanzvermo‹gen der privaten Haushalte

1

erreichte zum Stichtag 30.Juni 2004 einVolumen von 320 Mrd EUR. Auch die Geldvermo‹gensbil- dung, d. h. die Nettoinvestitionen in Finanzmittel, war im ersten Halb- jahr mit rund 9,5 Mrd EUR auf Rekordho‹he.

Ein im EU-Vergleich u‹berdurch- schnittlich hoher Anteil des Bestands an Geldvermo‹gen von rund 54%

(173 Mrd EUR) ist dabei weiterhin in Form von Bargeld und Einlagen.

In Deutschland betrug dieser Anteil zum Jahresultimo 2003 vergleichs- weise 36%, in Italien 27% und in Spa- nien 40%. Darin spiegelt sich sowohl die in O ‹ sterreich traditionell sehr hohe Bedeutung der Banken fu‹r die Finanzintermediation wider, als auch

— neben anderen Faktoren — die Tatsa- che, dass trotz des effizienten Kapital- marktes im gemeinsamen Euro- Wa‹hrungsraum im Vergleich zu ande- ren La‹ndern Veranlagungen in Wert- papieren und Aktien noch eine eher geringe Bedeutung haben. Zum Teil du‹rfte dieser noch immer sehr hohe Anteil aber auch darauf zuru‹ckzufu‹h- ren sein, dass der Konjunkturauf- schwung schleppend verla‹uft und die O ‹ sterreicher noch abwarten und ihre Finanzmittel in Form von vor allem kurzfristigen Einlagen zwischenpar- ken. Im zweiten Quartal 2004 wur- den 2,8 Mrd EUR in kurzfristige

Einlagen bei inla‹ndischen Banken ver- anlagt; demgegenu‹ber wurden aber la‹ngerfristige Einlagen leicht zuru‹ck- gefu‹hrt. Das la‹sst den Schluss zu, dass ein Teil der Finanzmittel fu‹r die Haus- halte sehr kurzfristig verfu‹gbar ist und damit das Potenzial fu‹r einen Anstieg der Konsumausgaben im zweiten Halbjahr gegeben ist.

Die Anspru‹che gegenu‹ber Versi- cherungen und Pensionskassen neh- men Ende Juni 2004 im Portfolio der O ‹ sterreicher rund 20% (66,6 Mrd EUR) des gesamten Bestands an Finanzvermo‹gen ein. In Deutschland betrug dieser Anteil zum Jahresultimo 2003 knapp 30%, in Italien und Spanien rund 15%. Die Investitionen in ªVorsorgeprodukte sind vor dem Hintergrund der demografischen Ent- wicklung und der damit in Zusam- menhang stehenden immer wieder- kehrenden Debatten bezu‹glich der Finanzierbarkeit des derzeitigen Pen- sionssystems zu sehen. So wurden im ersten Halbjahr 2004 bereits rund 2,6 Mrd EUR (zum Vergleich:

2,35 Mrd EUR im ersten Halbjahr 2003) in Anlagen bei Versicherungen investiert, wovon fast 1,9 Mrd EUR bei Lebensversicherern veranlagt wur- den.

Rund 10% (32,2 Mrd EUR) des Geldvermo‹gens war Ende Juni 2004 in Investmentzertifikaten veranlagt.

A ‹ hnliche Anteile wurden in den ver- glichenen La‹ndern Deutschland und Italien ausgewiesen. Auch in der

1

In der Analyse werden die privaten Organisationen ohne Erwerbszweck (z. B. Gewerkschaften, politische Parteien, Kirchen und private Stiftungen) auf Basis einer Konvention in den EU-Staaten derzeit zu dem aggregierten Sektor ªPrivate Haushalte einschlie§lich Privater Organisationen ohne Erwerbszweck geza‹hlt. Aussagen zu Finanzdaten der privaten Haushalte beziehen daher immer auch die Ergebnisse fu‹r die privaten Organisationen ohne Erwerbszweck mit ein.

Gerald Wimmer

1 2 Stat i s t i k e n Q 4 / 0 4

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Struktur der Veranlagungen innerhalb der Kategorie Investmentfonds bildet sich das anhaltende ªSicherheitsden- ken der O ‹ sterreicher ab. So waren 49% (15,8 Mrd EUR) der Invest- mentfondsvermo‹gen in Rentenfonds veranlagt und 31% (knapp 10 Mrd EUR) in gemischten Fonds. Auf Aktienfonds entfielen rund 6 Mrd EUR oder 19%.

In festverzinslichen Wertpapieren waren Ende des ersten Halbjahres 2004 etwas mehr als 8% des Geld- vermo‹gens der privaten Haushalte veranlagt. In Deutschland betrug die- ser Anteil Ende des Jahres 2003 rund 11%. Der Anteil von festverzinslichen Wertpapieren am gesamten Geldver- mo‹gen divergiert zwischen den La‹n- dern sehr stark. So waren in Italien Ende des Jahres 2003 rund 22% des Geldvermo‹gens in dieser Wertpapier- kategorie veranlagt, in Spanien aber nur rund 3%. In O ‹ sterreich scheint seit dem vierten Quartal 2003 ein Trend zu steigenden Direktveranla- gungen der privaten Haushalte in festverzinsliche Wertpapiere erkenn- bar zu sein. So investierten die priva- ten Haushalte im vierten Quartal 2003 rund 1,2 Mrd EUR und im ers- ten Halbjahr 2004 netto knapp 2 Mrd EUR in diese Anlageform, wobei je- weils der gro‹§te Anteil in Wohnbau- anleihen geflossen ist.

Die Schuldaufnahmen waren im ersten Halbjahr 2004 mit rund 3,6 Mrd EUR um knapp 1 Mrd EUR ho‹her als im Vergleichszeitraum des Vorjah- res. Das ergibt eine relativ hohe Net- togeldvermo‹gensbildung (Investitio- nen in Finanzaktiva minus Schuldauf- nahmen) im ersten Halbjahr 2004 von knapp 6 Mrd EUR. Die Netto- geldvermo‹gensbildung war damit um rund 600 Mio EUR ho‹her als im ers- ten Halbjahr 2003.

Die Verbindlichkeiten des Haus- haltssektors beliefen sich Ende Juni 2004 auf 115,4 Mrd EUR. Das be- deutet, dass diesem Sektor ein Netto- finanzvermo‹gen (Geldvermo‹gen mi- nus Verbindlichkeiten) von 204,6 Mrd EUR zuzurechnen ist.

Vermo ‹ genssituation der Unternehmen

Sowohl die Geldvermo‹gensbildung als auch der Verpflichtungsaufbau des Unternehmenssektors fielen mit knapp 1,6 Mrd EUR bzw. rund 3,7 Mrd EUR viel geringer aus als im ersten Halbjahr 2003. Der negative Finan- zierungssaldo (Geldvermo‹gensbildung minus Verpflichtungsaufbau) der Un- ternehmen war allerdings mit 2,2 Mrd EUR ho‹her als jener im ersten Halb- jahr 2003 (—1,8 Mrd EUR).

Die geringe Mittelaufnahme der Unternehmungen spiegelt wider, dass aus Investitionen im ersten Halbjahr 2004 nur ein geringer Impuls zum Wachstum der Inlandsnachfrage kam.

Der Bestand an Verbindlichkeiten der Unternehmen betrug Ende Juni 2004 307,6 Mrd EUR. Demgegen- u‹ber standen finanzielle Forderungen von 159,4 Mrd EUR, was zu einer Nettoverpflichtungsposition des Un- ternehmenssektors von 148,2 Mrd EUR fu‹hrte.

Vom gesamten Volumen an Ver- bindlichkeiten der Unternehmen waren 52% Kredite. Auch hier spie- gelt sich die dominante Rolle der Banken bei der Finanzintermediation wider, was vor allem fu‹r die Un- ternehmensfinanzierung noch immer zutrifft. In Deutschland betrug dieser Anteil per Ende 2003 39%, in Italien 34% und in Spanien 28%.

Generell scheint es aber auch in O ‹ sterreich seit einigen Quartalen einen Trend von Krediten zu Finan- zierungen direkt u‹ber den Kapital-

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markt zu geben. So beliefen sich die Nettokreditaufnahmen (Aufnahmen minus Ru‹ckzahlungen) im zweiten Halbjahr 2003 und im ersten Halbjahr 2004 insgesamt auf 3,7 Mrd EUR, wa‹hrend die Nettoneuemissionen von festverzinslichen Wertpapieren im selben Zeitraum knapp 4,9 Mrd EUR ausmachten.

Der Anteil von Verpflichtungen aus festverzinslichen Wertpapieren am ge- samten Bestand an Verbindlichkeiten betrug zum Stichtag 30. Juni 2004

7%. In Deutschland, Italien und Spa- nien lag dieser Anteil nur zwischen 1% und 3%.

Der Anteil der Eigenkapitalfinan- zierung an der gesamten Passivseite der Unternehmensbilanzen betrug in O ‹ sterreich Ende Juni 2004 rund 38%. Die entsprechende Quote zum Jahresultimo 2003 lag in den ver- glichenen La‹ndern bei 44% in Deutschland, 46% in Italien und 47% in Spanien.

Abschwa‹chung der Direktinvestitionen

Direktinvestitionsstatistik im ersten Halbjahr 2004

Wa‹hrend die grenzu‹berschreitenden Firmenbeteiligungen seit dem Re- kordjahr 2000 weltweit Jahr fu‹r Jahr deutlich zuru‹ckgegangen sind, haben o‹sterreichische Investoren anhaltend hohe Betra‹ge im Ausland investiert und damit ihre Position im inter- nationalen Vergleich verbessert. Auch die Beteiligungen von Ausla‹ndern in O ‹ sterreich waren aufgrund einiger gro§er U ‹ bernahmen (Austria Tabak, Brau AG) mit Ausnahme des Jahres 2002 recht hoch. Im ersten Halbjahr 2004 haben aber die Direktinvestitio- nen O ‹ sterreichs im Ausland leicht, jene des Auslands in O ‹ sterreich sogar sta‹rker nachgelassen.

Die aktiven Direktinvestitionen er- reichten im ersten Halbjahr2004 einen Wert von 2,5 Mrd EUR (—900 Mio EUR bzw. —27% gegenu‹ber dem Ver- gleichszeitraum 2003). Bruttoinvesti- tionen in Ho‹he von 2.140 Mio EUR an Eigenkapital stehen Desinvestitio- nen von 560 Mio EUR gegenu‹ber.

Trotz hoher Gewinnausschu‹ttungen von 750 Mio EUR bleiben die reinves- tierten Gewinne dank der erwarteten guten Ertragslage mit 970 Mio EUR

hoch. Konzerninterne Kreditbezie- hungen haben zwar die Bruttowerte der Kapitalstro‹me erho‹ht, spielen aber im Berichtszeitraum ebenso wie die privaten Liegenschaftska‹ufe netto keine Rolle.

Nachgelassen haben vor allem die aktiven Direktinvestitionen o‹ster- reichischer Investoren in Zentral- und Osteuropa. Laut OECD sind die Investitionen in die Beitrittsla‹nder schon im Jahr 2003 deutlich zuru‹ck- gegangen. Das ko‹nnte mit dem Aus- laufen des Privatisierungsprozesses und einer erwarteten Angleichung der Lo‹hne und damit der Produkti- onskosten an das europa‹ische Niveau zu tun haben. Nach Jahren mit Re- kordinvestitionen in diesem Raum wurden im ersten Halbjahr 2004 in den traditionellen Ziella‹ndern O ‹ ster- reichs nur kleinere Investitionspro- jekte registriert. Die investierten Summen erreichten nur in der Tsche- chischen Republik (260 Mio EUR), in Polen (140 Mio EUR), in Slowenien (120 Mio EUR) und in Kroatien (100 Mio EUR) dreistellige Betra‹ge.

Mit dem Kauf der Albanischen Spar-

Rene« Dellmour

1 4 Stat i s t i k e n Q 4 / 0 4

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kasse durch die Raiffeisen Zentralbank O ‹ sterreich erscheint erstmals auch Albanien als Zielland von Direktinves- titionen (105 Mio EUR). Die ange- ku‹ndigte U ‹ bernahme der ruma‹ni- schen Petrom durch die OMV, eine der gro‹§ten o‹sterreichischen Direkt- investitionen u‹berhaupt, ist in den Da- ten noch nicht enthalten. Spitzenrei- ter unter den sonstigen Investitions- zielen war Deutschland mit 490 Mio EUR, vor Italien (230 Mio EUR) und dem Vereinigten Ko‹nigreich (130 Mio EUR).

Die passiven Direktinvestitionen lagen mit 1,7 Mrd EUR deutlich unter dem Rekordwert des ersten Halb- jahres 2003 (—1,9 Mrd EUR bzw.

—53%). Obwohl der Eigenkapital- zustrom mit 1.740 Mio EUR hoch war, resultierte wegen der gleichfalls hohen Desinvestitionen von 1.340 Mio EUR nur ein ma‹§iger Nettozufluss.

Mit 390 Mio EUR war diesmal prak- tisch der gesamte Nettozustrom an Beteiligungskapital auf den Liegen- schaftserwerb durch Ausla‹nder in O ‹ sterreich zuru‹ckzufu‹hren. Dieses massiv gestiegene Interesse ausla‹ndi- scher, vorwiegend deutscher Immo- bilieninvestoren hatte sich schon in

der zweiten Jahresha‹lfte 2003 abge- zeichnet. Dabei wurden so promi- nente Immobilien wie das Donauzent- rum, das Hotel LeMeridien und eine gro‹§ere Zahl von Bu‹rogeba‹uden ver- kauft. Immer wichtiger wird ange- sichts schwa‹cherer Kapitalzuflu‹sse die Rolle der reinvestierten Gewinne, die 1.280 Mio EUR zum Ergebnis bei- trugen. Diesem Wert liegen teilweise freilich noch Scha‹tzungen zugrunde.

Die konzerninternen Kreditbewegun- gen waren ausgeglichen.

Die Regionalstruktur der Direkt- investitionszuflu‹sse entspricht dem langja‹hrigen Muster: Der mit Abstand wichtigste Investor war — wie zumeist

— Deutschland (850 Mio EUR), ge- folgt von den Niederlanden (260 Mio EUR) und dem Vereinigten Ko‹nig- reich (160 Mio EUR) sowie mit klei- neren Betra‹gen den USA und der Schweiz. Auf diese fu‹nf Herkunfts- la‹nder entfallen auch im ersten Halb- jahr 2004 anna‹hernd 90% des Kapital- zustroms.

Die Daten sind u‹ber die Home- page der OeNB www.oenb.at unter ªStatistik und Melderservice/Daten- angebot /Au§enwirtschaft / Direktin- vestitionen abrufbar.

Gu‹terexporte als Triebfeder fu‹r Leistungsbilanzu‹berschuss

Zahlungsbilanz im ersten Halbjahr 2004 Die o‹sterreichische Leistungsbilanz auf Transaktionsbasis ergab im ersten Halbjahr 2004 mit 1,1 Mrd EUR ei- nen ho‹heren U ‹ berschuss als im Ver- gleichszeitraum 2003 (0,7 Mrd EUR) und besta‹tigt damit den Trend, der sich schon nach ersten Berechnungen im August 2004 abgezeichnet hatte.

Dieses Ergebnis resultiert aus einem

— bedingt durch deutlich gestiegene Gu‹terausfuhren — gro‹§eren U ‹ ber-

schuss in der Gu‹ter- und Dienst- leistungsbilanz von 3,4 Mrd EUR.

Ho‹here Nettodefizite aus Einkommen und aus Laufenden Transfers wirkten diesem Effekt entgegen.

Die Gu‹terbilanz zeigte im ersten Halbjahr 2004 einen U ‹ berschuss von 2,1 Mrd EUR, nachdem im Ver- gleichszeitraum 2003 ein nahezu ausgeglichener Saldo vorgelegen war.

Mit etwas mehr als 43 Mrd EUR

Matthias Fuchs

Stat i s t i k e n Q 4 / 0 4 1 5

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verzeichneten O ‹ sterreichs Gu‹ter- ausfuhren gegenu‹ber den ersten sechs Monaten 2003 Zuwa‹chse um 11%, wa‹hrend die Einfuhren nur um rund 6% anstiegen. Besondere Dynamik war vor allem im zweiten Quartal 2004 mit Exportzuwa‹chsen von 16%

erkennbar. Die leicht ru‹ckla‹ufigen Reiseverkehrseinnahmen des ersten Halbjahres 2004 wurden durch deut- lich geringere Ausgaben o‹sterreichi- scher Touristen im Ausland u‹berkom- pensiert, wodurch sich ein Reisever- kehrsplus von 2,8 Mrd EUR ergab (nach 2,3 Mrd EUR im ersten Halb- jahr 2003).

Die Einkommensbilanz verzeich- nete im ersten Halbjahr 2004 mit 1,0 Mrd EUR einen etwas ho‹heren Abgang als im Vergleichszeitraum (—0,8 Mrd EUR). Wa‹hrend Netto- einkommen aus Sonstigem (insbeson- dere Kredite und Einlagen) einen merkbar geringeren U ‹ berschuss er- gaben (0,5 nach 0,8 Mrd EUR), blie- ben Einkommen aus Direktinvestitio- nen und Portfolioinvestitionen nahe- zu unvera‹ndert. Ausgeglichen schloss die Bilanz der Vermo‹gensu‹bertragun- gen.

Die Kapitalbilanz war im ersten Halbjahr 2004 durch Nettokapitalim- porte aus Portfolioinvestitionen sowie durch Nettokapitalexporte aus Sonsti- gen Investitionen, Direktinvestitionen und Finanzderivaten gekennzeichnet.

O ‹ sterreichs Direktinvestitionen im Ausland ergaben per saldo Abflu‹sse in Ho‹he von 2,5 Mrd EUR, was einem Ru‹ckgang um 0,9 Mrd EUR ent- spricht. Deutlich geringer waren auch die Veranlagungen ausla‹ndischer Di-

rektinvestoren in O ‹ sterreich, die sich im ersten Halbjahr 2004 auf 1,7 Mrd EUR beliefen (nach 3,6 Mrd EUR in der Vergleichsperiode 2003).

Sehr dynamisch zeigten sich o‹ster- reichische Portfolioinvestitionen im Ausland, die im ersten Halbjahr 2004 19,8 Mrd EUR betrugen und somit fast das Doppelte des Ver- gleichswerts 2003 (10,6 Mrd EUR) erreichten. Diese Dynamik entstand im zweiten Quartal 2004: Allein in diesem Zeitraum wurden um 8 Mrd EUR mehr in ausla‹ndische Wertpa- piere veranlagt als im Vergleichsquar- tal 2003. Besonders deutlich fiel die Nachfrage nach Geldmarktpapieren aus, mehr als die Ha‹lfte dieses Zu- wachses entfiel auf Veranlagungen in diesem Segment. Als Investoren traten vor allem Finanzinstitutionen und der o‹ffentliche Sektor auf. Gesteiger- tes Interesse zeigten auch ausla‹ndische Investoren an o‹sterreichischen Wert- papieren, die im Berichtszeitraum im Umfang von 21,4 Mrd EUR abge- setzt wurden (erstes Halbjahr 2003:

18,0 Mrd EUR).

Die Teilbilanz Sonstige Investitio- nen , die insbesondere Kredite sowie Sicht- und Termineinlagen umfasst, zeigte im Berichtszeitraum per saldo Kapitalabflu‹sse in Ho‹he von 2,3 Mrd EUR (erstes Halbjahr 2003: 10,6 Mrd EUR). Ma§geblich fu‹r diese Entwick- lung war ein Substitutionseffekt: Der o‹ffentliche Sektor investierte in Geld- marktpapiere statt in kurzfristige Termineinlagen.

Die offiziellen Wa‹hrungsreserven nahmen transaktionsbedingt um 1,2 Mrd EUR ab.

1 6 Stat i s t i k e n Q 4 / 0 4

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reported gains in revenues. At 5.1%, banks unconsolidated total assets increased considerably in the first half of 2004.

high of 19.4% since December 2003.

Bank Profitability in Austria — Unconsolidated Results

The positive development of bank performance observed in the first quarter of 2004 continued throughout the second quarter, with operating profits rising by 13.9% to EUR 2.42 billion in the first half of 2004. In particular earnings from affiliated foreign enterprises and commission income on securities trading contributed to this rise in

profitability. Personnel costs clearly decreased, and the cost/income ratio could be reduced by 3.1% to 65.9% (as at June 30, 2004) over the period under review. Annual profits for the 2004 financial year are expected to jump to EUR 2.82 billion, which corresponds to an increase by 58.6%.

Triennial Central Bank Survey of Foreign Exchange and Derivatives Market Activity in April 2004 — BIS Survey Results for Austria

Every three years the Bank for International Settlements (BIS) coordinates a survey of global foreign exchange and derivatives turnover. For the Austrian market, this survey is conducted by the Oesterreichische Nationalbank. The latest survey, which involved 52 participating countries, took place in April 2004. The recently published preliminary global results of the 2004 survey show that the volume of both foreign exchange and derivatives trading has expanded considerably — in Austria and worldwide. The average daily

turnover in the Austrian derivatives markets has more than tripled since 2001, now amounting to USD 14.8 billion. This corresponds to a global market share of 1.0% (2001: 0.7%).

With a daily average of USD 13.3 billion, the turnover in the Austrian foreign exchange market has increased by approxi- mately two-thirds since 2001. Austrias share in the world market thus climbed to 0.6% from 0.5% in 2001. According to the BIS survey, global derivatives and foreign exchange turnover rose by 112% and 57%, respectively.

Austrian Outward and Inward Direct Investment —

Results of the 2002 Survey and Development of Selected Indicators

According to a recent survey conducted by the OeNB, the

value of Austrian direct investment abroad amounted to EUR 40.5 billion at the end of 2002, while foreign direct in- vestment (FDI) in Austria totaled EUR 41.5 billion. Thus, the gap between outward and inward FDI has practically disappeared. Austria has also caught up by international comparison. The profitability of cross-border strategic in- vestment has developed favorably. Outward FDI primarily

concentrated on Central and Eastern European countries (CEECs). About one half of Austrian investments abroad were located in CEEC-19 countries, which accounted for one-third of invested capital and 70% of a total of 299,100 workers abroad. The 207 Austria-based holding companies and regional headquarters of multinational groups played an important role in Austrian FDI abroad.

Austrias International Investment Position in 2003

Austrias net debtor position dropped by EUR 8 billion to EUR 34 billion, i.e. to its lowest level since 1997 (EUR 30 billion). The external assets of the Austrian econ- omy came to EUR 350 billion at the end of 2003, which corresponds to 156% of GDP, while external liabilities roughly amounted to EUR 384 billion or 171% of GDP.

The euro/dollar exchange rate had a noticeable impact on

the development of Austrias international investment posi- tion: The appreciation of the euro cushioned the rise in external assets and liabilities resulting from transactions and increasing share prices. In particular the above-average level of lending to foreign debtors by domestic banks signifi- cantly influenced the development of Austrias net inter- national investment position.

Redesign of the OeNBs Economics and Financial Sector Statistics

The production and dissemination of financial statistics to the

public is a core task of the OeNB. Providing statistical data in a timely and user-friendly way and answering any questions concerning this topic are part of this task. In 2004 the OeNB restructured and broadened the range of statistical informa- tion it makes available to the public. A new print publication and the Statistics and Reporting feature on the OeNBs rede-

signed website were developed. Two surveys helped identify the needs and wishes of the users of OeNB statistics. The recently launched print publication Statistiken — Daten &

Analysen and the website www.oenb.at/Statistics and Reporting/Statistical Data offer statistical analyses and key financial market indicators both in a distinct structure and in a user-friendly format.

1 8 Stat i s t i k e n Q 4 / 0 4

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leisteten, konnten auch die in O ‹ sterreich ta‹tigen Einzel- institute Ertragssteigerungen vermelden. Auch die unkon- solidierte Bilanzsumme der Banken erho‹hte sich im ersten

Fremdwa‹hrungsanteil am gesamten Kreditvolumen seit De- zember 2003 auf 19,4%, was einen bisher nicht erreichten Ho‹chstwert darstellt.

Ertragslage der in O‹ sterreich ta‹tigen Kreditinstitute — unkonsolidiert

Die bereits im ersten Quartal 2004 beobachtete positive Er-

tragsentwicklung setzte sich auch im zweiten Quartal 2004 fort, was sich in einer deutlichen Erho‹hung des Betriebser- gebnisses im ersten Halbjahr 2004 im Ausma§ von 13,9%

auf 2,42 Mrd EUR zeigt. Insbesondere die Ertra‹ge aus aus- la‹ndischen verbundenen Unternehmen und die Provisions- ertra‹ge aus dem Wertpapiergescha‹ft haben zu diesem Anstieg

beigetragen. Der Personalaufwand entwickelte sich klar ru‹ck- la‹ufig. Die Cost-Income-Ratio betrug zum 30. Juni 2004 65,9% und hat sich im Berichtszeitraum um 3,1 Prozent- punkte verbessert. Der fu‹r das gesamte Gescha‹ftsjahr 2004 erwartete Jahresu‹berschuss betra‹gt 2,82 Mrd EUR und liegt mit 58,6% markant u‹ber dem vergleichbaren Wert des Jahres 2003.

Triennial Central Bank Survey 2004 u‹ ber die Entwicklungen auf den internationalen Devisen- und Derivativma‹rkten — Ergebnisse der BIZ-Studie fu‹ r O‹ sterreich

Die Bank fu‹r Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) organi- siert alle drei Jahre eine Erhebung der weltweiten Umsa‹tze im Devisen- und Derivativhandel, die in O ‹ sterreich von der Oesterreichischen Nationalbank durchgefu‹hrt wird. Die ju‹ngste Befragung fand im April 2004 in 52 La‹ndern statt.

Die nunmehr vorliegenden Gesamtergebnisse zeigen, dass in beiden Gescha‹ftsfeldern sowohl weltweit, als auch in O ‹ sterreich signifikante Anstiege zu verzeichnen waren. In O ‹ sterreich lag der durchschnittliche Tagesumsatz auf den

Derivativma‹rkten bei 14,8 Mrd USD und hat sich damit gegenu‹ber 2001 mehr als verdreifacht. Dies entspricht einem Weltmarktanteil von 1,0% (2001: 0,7%). Auf dem o‹sterrei- chischen Devisenmarkt wurde mit einem Tagesumsatz von durchschnittlich 13,3 Mrd USD gegenu‹ber 2001 ein Anstieg um rund zwei Drittel verzeichnet. Der o‹sterreichische Welt- marktanteil liegt nunmehr bei 0,6% (2001: 0,5%). Weltweit stiegen nach Angaben der BIZ die Umsa‹tze auf den Deriva- tivma‹rkten um 112%, auf den Devisenma‹rkten um 57%.

Direktinvestitionen O‹ sterreichs —

Ergebnisse der Befragung 2002 und Entwicklung ausgewa‹hlter Indikatoren

Der Wert strategischer Firmenbeteiligungen von O ‹ sterrei-

chern im Ausland belief sich zum Jahreswechsel 2002/03 auf 40,5 Mrd EUR, die ausla‹ndischen Beteiligungen in O ‹ ster- reich repra‹sentieren einen Wert von 41,5 Mrd EUR. Die Lu‹cke bei der aktiven Internationalisierung konnte damit ge- schlossen werden. Auch im internationalen Vergleich hat O ‹ sterreich aufgeholt. Dabei entwickelt sich die Ertragslage der Direktinvestitionsunternehmen sehr gut. Ein Spezifikum

der aktiven Direktinvestitionen ist die Konzentration auf Zentral- und Osteuropa. So lag rund die Ha‹lfte aller o‹ster- reichischen Auslandsbeteiligungen in Zentral- und Osteuropa, auf sie entfielen etwas mehr als ein Drittel des investierten Kapitals sowie 70% der 299.100 Auslandsbescha‹ftigten. Eine nicht unbedeutende Rolle spielen dabei 207 Bru‹ckenko‹pfe multinationaler Konzerne, die in O ‹ sterreich regionale Head- quarter oder Holdinggesellschaften unterhalten.

Internationale Vermo‹ gensposition O‹ sterreichs im Jahr 2003

O ‹ sterreichs Nettoverpflichtungen gegenu‹ber dem Ausland verringerten sich um 8 Mrd EUR auf rund 34 Mrd EUR und zeigten damit das geringste Niveau seit 1997 (30 Mrd EUR). Das Finanzvermo‹gen der o‹sterreichischen Volkswirtschaft im Ausland belief sich zu Jahresende 2003 auf 350 Mrd EUR oder 156% des BIP, wa‹hrend die Auslandsverpflichtungen rund 384 Mrd EUR oder 171%

des BIP erreichten. Deutliche Auswirkungen zeigte die Ent-

wicklung der Euro-/US-Dollar-Relation: Der Wertgewinn des Euro bremste den durch Transaktionen und steigende Aktienkurse bedingten Zuwachs o‹sterreichischer Vermo‹gen und Verpflichtungen im Ausland. Insbesondere die u‹ber- durchschnittlich hohe Kreditvergabe der o‹sterreichischen Banken an das Ausland war fu‹r die Entwicklung der Netto- vermo‹gensposition ma§geblich.

Redesign des Statistikangebots der OeNB

Die Erstellung von Finanzstatistiken ist ein zentrales Aufga- bengebiet der OeNB. Ein besonderes Anliegen ist es dabei, dieses Datenangebot in aktueller und benutzerfreundlicher Form auch der O ‹ ffentlichkeit zur Verfu‹gung zu stellen und Ansprechpartner fu‹r alle diesbezu‹glichen Fragen zu sein.

Im Jahr 2004 hat die OeNB ihr statistisches Informations- angebot erweitert und modernisiert. Kernpunkte sind die neue Quartalspublikation Statistiken — Daten & Analysen

und ein neu gestalteter, benutzerfreundlicher Internet-Auf- tritt auf der ebenfalls restrukturierten OeNB-Homepage unter www.oenb.at/Statistik und Melderservice. Im Subbe- reich ªDatenangebot (das es als Ausschnitt auch in der Print- publikation gibt) sind alle finanzmarktrelevanten Kenndaten in mo‹glichst einfacher, versta‹ndlicher und leicht abrufbarer Form aufbereitet, wobei auf Basis von Umfrageergebnissen die Wu‹nsche der Leser Beru‹cksichtigung fanden.

Stat i s t i k e n Q 4 / 0 4 1 9

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Im Bereich des Bankwesens war das erste Halbjahr 2004 weiterhin von Ra- tionalisierungsbemu‹hungen im Inland sowie einer expansiven Gescha‹ftsstra- tegie im Ausland gepra‹gt.

Trotz der in den letzten Jahren geleisteten Anstrengungen, das Filial- netz weiter zu reduzieren, galt O ‹ ster- reich im internationalen Vergleich mit einer Bankstellendichte von rund 1.500 Einwohnern pro Bankstelle mit Juni 2004 nach wie vor als ªover- banked. So belief sich die Bankstel- lendichte in Deutschland bzw. der Schweiz zum Vergleich auf ungefa‹hr 2.100 bzw. 2.600 Einwohner pro Bankstelle. Auch regional betrachtet war das Verha‹ltnis Bankstellen zu Ein- wohnern sehr heterogen. Die eindeu- tig ho‹chste Relation wies das Burgen- land auf, wo auf eine Bankstelle nur knapp unter 1.100 Einwohner entfie- len. Im Gegensatz dazu bewegte sich der Vergleichswert fu‹r Wien bei etwa 2.400 Einwohnern pro Bankstelle.

Dennoch ist die Zahl der Bankstellen seit Jahren ru‹ckla‹ufig und wurde im ersten Halbjahr 2004 wieder um ins- gesamt 43 (Stand Juni 2004: 5.254;

Anzahl der Hauptanstalten: 895) ver- ringert, wobei es sich allerdings bei 42 Bankstellen um Zweigstellen han- delte.

International, vor allem aber in den neuen EU-La‹ndern sowie im restlichen Osteuropa, befanden sich die heimischen Banken hingegen wei- terhin auf Expansionskurs. So erho‹hte sich die Anzahl der vollkonsolidier- ten meldepflichtigen Auslandsto‹chter auch im ersten Halbjahr 2004 wieder um 2 auf mittlerweile 71. Diese wa- ren am ha‹ufigsten in Ungarn (8) ange- siedelt, gefolgt von Kroatien und der Tschechischen Republik mit jeweils 6.

wachsenden Anteil zu den Konzern- ergebnissen bei. Dies zeigte sich vor allem im Bereich des Nettozinser- trags, der bei einzelnen To‹chtern so- gar im zweistelligen Prozentbereich anstieg, wogegen er bei den Mu‹ttern de facto stagnierte (+0,9%). Der Ge- scha‹ftserfolg der heimischen Banken im Ausland spiegelte sich auch in der Entwicklung der Anzahl der Mitarbei- ter (nach Ko‹pfen) wider: Wa‹hrend diese bei den Auslandsto‹chtern zwi- schen 2002 und 2003 um rund 10%

anstieg, reduzierte sie sich im Inland um 0,7%. Das Verha‹ltnis der im In- land bescha‹ftigten Mitarbeiter (nach Ko‹pfen) zu den im Ausland Bescha‹f- tigten sank dadurch per Ende 2003 auf 1,2:1 und du‹rfte sich weiter an- gleichen.

Die ausgezeichnete Entwicklung der Auslandsto‹chter fand schlie§lich auch in der unkonsolidierten Ertrags- lage der heimischen Banken, insbe- sondere in der Position ªErtra‹ge aus Anteilen an verbundenen Unterneh- men, die um mehr als 40% anstieg, ihren Niederschlag.

Positive unkonsolidierte Gescha ‹ ftsentwicklung der in O ‹ sterreich ta‹tigen Banken

Im Folgenden werden diese unkon- solidierten Bilanz- und Ertragsdaten na‹her betrachtet.

So verbesserten die heimischen Kreditinstitute ihre unkonsolidierte Cost-Income-Ratio (CIR) gegenu‹ber der Vergleichsperiode 2003 im ersten Halbjahr 2004 bereits um 3 Prozent- punkte auf 65,9% — ein seit dem Jahr 2000 nicht mehr erreichter Wert.

Dies gelang deshalb, weil die Banken einerseits ihre Ertra‹ge aus Wertpapie-

2 0 Stat i s t i k e n Q 4 / 0 4

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ren und Beteiligungen um 22,0% so- wie den Provisionsertrag um mehr als 7% steigerten (der Nettozinsertrag erho‹hte sich hingegen nur marginal um 0,9%) und andererseits die Perso- nalaufwendungen um 2,3% weiter ge-

senkt werden konnten. Aus diesem Grund verringerte sich auch die Kennzahl der Personalaufwendungen in Relation zu den gesamten Aufwen- dungen um mehr als Prozentpunkt auf 51,0%.

Diese Verringerung wurde einer- seits durch Reduktionen bei der Do- tierung von Pensionsru‹ckstellungen, andererseits auch durch generelle Rationalisierungsma§nahmen bzw. ge- zieltes Outsourcing bestimmter Akti- vita‹ten (z. B. der IT-Infrastruktur in eigene Betriebsgesellschaften etc.) er- reicht. Per 30. Juni 2004 wiesen die heimischen Kreditinstitute 67.274 Be- scha‹ftigungskapazita‹ten aus, das waren um 189 weniger als noch zu Beginn des Jahres. Der Personalaufwand pro Mitarbeiter (nach Kapazita‹ten) ist hin- gegen seit Jahren kontinuierlich im Steigen begriffen und durchbrach Ende Dezember 2003 erstmals die 70.000-EUR-Marke.

Auf der Ertragsseite fa‹llt auf, dass der Anteil des Nettozinsertrags an den gesamten Betriebsertra‹gen bereits seit

la‹ngerem kontinuierlich abnimmt (seit Jahresbeginn um 1 Prozentpunkt auf 49,8%), wogegen das Provisions- gescha‹ft zunehmend an Bedeutung gewinnt (seit Jahresbeginn um +0,6 Prozentpunkte auf 23,6%). Diese Tatsache spiegelte sich auch im Total Spread

1

wider, der sich gegenu‹ber der Vergleichsperiode 2003 um 0,06 Prozentpunkte auf 1,22% reduzierte und damit den niedrigsten Wert seit mehr als zehn Jahren erreichte. Bei einem Vergleich der o‹sterreichischen Zinssa‹tze fu‹r die meisten Kredit- und Einlagenkategorien mit dem ge- samten Euroraum war festzustellen, dass Erstere im Kreditbereich meist deutlich unter und im Einlagenbe- reich sehr oft u‹ber dem europa‹ischen Durchschnitt lagen. Aus diesem Grund konnten die heimischen Ban-

Unkonsolidierte Cost-Income-Ratio

71 70 69 68 67 66 65 März

2001

Quelle: OeNB.

in %

Juni Sep. Dez. März

2002 Juni Sep. Dez. März

2003 Juni Sep. Dez.

Grafik 1

März2004 Juni

1

Der Total Spread berechnet die Zinsspanne auf das gesamte Zinsgescha‹ft der o‹sterreichischen Kreditinstitute.

Hier wird die EZB-Methode angewendet, die unterschiedliche Volumina auf der Aktiv- und Passivseite beru‹ck- sichtigt. Unterschiedliche Laufzeitstrukturen auf Aktiv- und Passivseiten ko‹nnen allerdings weiterhin nicht be- achtet werden. Details finden sich in EZB (2000), EU Banks Margins and Credit Standards, Frankfurt am Main.

Stat i s t i k e n Q 4 / 0 4 2 1

(22)

ken im ersten Halbjahr 2004 auch im internationalen Vergleich nur eine eher geringe Zinsspanne lukrieren.

Da aber abgesehen vom geringen Zuwachs des Nettozinsertrags in Summe die Betriebsertra‹ge gegenu‹ber dem Vergleichshalbjahr 2003 doch spu‹rbar um 3,6% gestiegen sind, er- warten die heimischen Kreditinstitute fu‹r das Gesamtjahr 2004 einen um 58,6% massiv gesteigerten Jahres- u‹berschuss von beinahe 3 Mrd EUR.

Ein derartig hoher Wert wurde noch nie fu‹r ein erstes Halbjahr erwartet.

Unkonsolidierte Bilanz- summe wa ‹ chst um mehr als 5%

Auch die unkonsolidierte Bilanz- summe der in O ‹ sterreich melde- pflichtigen Kreditinstitute erho‹hte sich im ersten Halbjahr 2004 bereits relativ deutlich um 5,1%. Verglichen mit anderen Halbjahreszuwa‹chsen war der diesja‹hrige der bedeutendste seit

dem Jahr 2000. Interessant gestaltet sich eine na‹here Analyse der Bilanz- summensteigerung bei einer Gliede- rung der Banken nach Gro‹§enklassen.

So wuchsen jene Kreditinstitute, die per Juni 2004 eine unkonsolidierte Bilanzsumme gro‹§er als 10 Mrd EUR erreichten, mit rund 7% u‹berdurch- schnittlich, wa‹hrend sich die Banken im Bereich zwischen 10 Mrd EUR und 100 Mio EUR mit rund 5% im gesamto‹sterreichischen Durchschnitt befanden. Jene Kreditinstitute mit einer Bilanzsumme kleiner als 10 Mio EUR blieben mit einem rund 4,5-pro- zentigen Zuwachs nur unter dem Mit- telwert. Aus diesem Grund erho‹hte sich — nach einer la‹ngeren Periode, in der die Gro§banken kontinuierlich langsamer wuchsen als der Rest — auch der Marktanteil der zehn gro‹§- ten Kreditinstitute seit Dezember 2003 erstmals wieder um 0,8 Pro- zentpunkte auf 55,3%.

Bei regionaler Betrachtung

2

er- reichten die Ka‹rntner Kreditinstitute mit rund 11% den bei weitem ho‹ch- sten Zuwachs in der Bilanzsumme, ge- folgt von den Wiener Kreditinstituten mit 6%. Alle anderen Bundesla‹nder

konnten nur unterdurchschnittliche Wachstumsraten erzielen.

Das starke Bilanzsummenwachs- tum war aktivseitig einerseits durch eine wieder anziehende Kreditnach- frage, andererseits durch die anhal-

Marktanteil der zehn größten Banken gemessen an der Bilanzsumme

59 58 57 56 55 54

H1 00

Quelle: OeNB.

in %

Grafik 2

H1 01 H1 02 H1 03 H1 04

2

Bundesla‹ndervergleiche sind insofern nur bedingt aussagekra‹ftig, als u‹berregional ta‹tige Kreditinstitute jeweils dem Standort der Hauptanstalt (wie z. B. die BA-CA dem Bundesland Wien) zugerechnet werden.

2 2 Stat i s t i k e n Q 4 / 0 4

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tende Vertiefung der Gescha‹ftsbezie- hungen mit dem Ausland getragen.

Nachdem das Kreditvolumen im ers- ten Quartal 2004 noch stagnierte, konnte im zweiten Quartal eine deut- liche Belebung beobachtet werden, sodass sich das Halbjahreswachstum der Direktkredite insgesamt auf 2,0% belief — ein seit dem Jahr 2000 nicht mehr erreichter Wert. Noch in der Vergleichsperiode 2003 war ein Ru‹ckgang von 0,5% registriert wor- den. Insbesondere das Privatkunden- gescha‹ft zeigte sich hauptverantwort- lich fu‹r den diesja‹hrigen Zuwachs, wogegen die Kreditnachfrage im Fir- menkundenbereich, vor allem auf- grund anderer Finanzierungsquellen

— wie z. B. Wertpapieremissionen, deren Umlaufvolumen erho‹hte sich seit Jahresbeginn um 7,0% — sogar leicht gesunken ist. Ein kontra‹res Bild bot dagegen die Zinssatzentwicklung:

Wa‹hrend der durchschnittliche Zins- satz fu‹r Konsumkredite an private Haushalte seit Jahresbeginn gering- fu‹gig auf 5,23% anstieg, sank er fu‹r Unternehmenskredite u‹ber 1 Mio EUR sogar um rund 0,2 Prozentpunkte auf 2,90%.

Geringfu ‹ gig verbesserte Kreditqualita ‹ t

Eine na‹here Analyse der aushaftenden Kredite zeigt, dass deren Kredit- qualita‹t

3

seit dem Jahr 2000 stetig gesunken ist und sich erst im Jahr 2003 wieder geringfu‹gig verbesserte:

Waren 2000 noch 91,8% des gesam- ten Kreditportfolios der Banken ªohne erkennbares Ausfallsrisiko, so belief sich dieselbe Position im Jahr 2003

auf nur noch 90,7%. Der Bereich der ªanmerkungsbedu‹rftigen Kredit- obligos (bedu‹rfen intensiver Be- obachtung) verschlechterte sich im selben Zeitraum von 5,4% auf 6,3%

des gesamten Kreditvolumens. Als ªnotleidend (d. h. mit Ausfa‹llen ist zu rechnen) wurden im Jahr 2000 2,2% des Kreditportfolios eingestuft, im Jahr 2003 waren es 2,1%. Als ªuneinbringlich galten im Jahr 2000 0,6% der aushaftenden Kredite, im Jahr 2003 waren es 0,9%. Da die Ban- ken fu‹r das Jahr 2004 mit einem ge- genu‹ber 2003 um 1,4% erho‹hten Wertberichtigungsbedarf im Kredit- bereich rechnen, du‹rfte sich die Qua- lita‹t des Kreditportfolios weiterhin nicht dramatisch verbessern.

Ein Indikator zur Messung des von den Banken eingegangenen (Kre- dit-)Risikos ist die Kennzahl der risikogewichteten Aktiva in Prozent der Bilanzsumme, da zur Berechnung des Eigenmittelerfordernisses gemaܤ

⁄ 22 BWG sa‹mtliche Aktiva je nach Kreditrisiko (mit 0%, 20%, 50% oder 100%) zu gewichten sind. Diese Kennzahl sank seit Jahresbeginn 2003 geringfu‹gig auf einen neuen Wert von 44,2%. Offensichtlich wurden also im ersten Halbjahr 2004 ver- mehrt risikoa‹rmer eingestufte Kredite vergeben. Auch bei Gro§veranlagun- gen

4

gingen die heimischen Banken deutlich risikosensitiver vor, da deren durchschnittliche Gewichtung gegen- u‹ber Dezember 2003 um 0,8 Prozent- punkte auf 15,2% zuru‹ckging. Die fu‹nf gro‹§ten Kreditinstitute lagen mit einem Wert von 13,0% gering- fu‹gig unter dem gesamto‹sterreichi-

3

Da diese Daten dem ja‹hrlichen Bankaufsichtlichen Pru‹fbericht (BAP) entnommen wurden, der bis Ende Juni des darauf folgenden Jahres zu u‹bermitteln ist, stehen hier nur die Jahresendwerte fu‹r 2003 zur Verfu‹gung.

4

Gro§veranlagungen gema‹§ ⁄ 27 BWG sind jene Aktiva, au§erbilanzma‹§ige und besondere au§erbilanzma‹§ige Gescha‹fte, die gro‹§er als 500.000 EUR sind und zumindest 10% der anrechenbaren Eigenmittel des Kredit- instituts betragen.

Stat i s t i k e n Q 4 / 0 4 2 3

(24)

schen Mittelwert. Dies la‹sst darauf schlie§en, dass Gro§banken ein etwas effizienteres Risikomanagement be- treiben.

Kra ‹ ftiges Lebenszeichen der Fremdwa ‹ hrungs- kredite

Nachdem Fremdwa‹hrungskredite im letzten Jahr etwas an Bedeutung ver- loren hatten, gaben diese im ersten

Halbjahr 2004 wieder ein kra‹ftiges Lebenszeichen von sich. Fast drei Viertel des gesamten Kreditzuwachses wurden von Fremdwa‹hrungsauslei- hungen getragen. Dadurch erho‹hte sich der Fremdwa‹hrungsanteil am ge- samten Kreditvolumen seit Dezember 2003 um 1 Prozentpunkt auf 19,4%, was einen bisher nicht erreichten Ho‹chstwert darstellte.

5

Zwischen den Fremdwa‹hrungen setzte sich der Umschichtungsprozess vom japanischen Yen (JPY) in den Schweizer Franken (CHF) trotz eines um rund 0,6 Prozentpunkte ho‹heren durchschnittlichen Zinssatzes (CHF:

1,64%, JPY: 1,02%) unvermindert fort. So erho‹hte sich das Volumen der CHF-Ausleihungen wechselkurs- bereinigt seit Beginn des Jahres 2004 um rund 11% und u‹berschritt erst- mals die 40 Mrd EUR-Grenze, ob- wohl infolge einer Leitzinsanhebung der Schweizer Notenbank der relative Zinsvorteil gegenu‹ber einem Euro- kredit von 2,0 Prozentpunkten im

April auf 1,73 Prozentpunkte im Juni sank. Kredite in JPY verzeichneten hingegen einen Ru‹ckgang von 38%

und hielten somit nur noch einen Anteil von rund 7% an sa‹mtlichen Fremdwa‹hrungskrediten. Der zuvor beschriebene Umschichtungsprozess du‹rfte damit im zweiten Halbjahr 2004 zum Erliegen kommen. Nach wie vor waren Vorarlberg und Tirol jene Bundesla‹nder mit dem ho‹chsten Stand an Fremdwa‹hrungsausleihun- gen. Einzelne Banken in diesen Gebie- ten kamen sogar auf Fremdwa‹hrungs- anteile von u‹ber 60% am Gesamtport- folio.

5

Der bisherige Ho‹chststand wurde im April 2002 erreicht und belief sich auf 19,2%.

Anteil der Fremdwährungskredite am gesamten Kreditvolumen

20 19 18 17 16 15 14 13

Juni1999

Quelle: OeNB.

in %

Grafik 3

Juni2000 Juni

2002 Juni

2003 Juni

Juni 2004 2001

2 4 Stat i s t i k e n Q 4 / 0 4

(25)

Dynamische Entwicklung des Auslandsgescha ‹ fts

Neben der steigenden Kreditnach- frage war auch das Auslandsgescha‹ft der Banken ma§geblich fu‹r deren star- kes Bilanzsummenwachstum verant- wortlich. Aktivseitig erho‹hten sich die Forderungen an das Ausland seit Dezember 2003 bereits um 11,8%.

Mehr als die Ha‹lfte dieses Zuwachses waren Forderungen an ausla‹ndische Kreditinstitute — vorwiegend an die eigenen To‹chter im Ausland. Nach einzelnen La‹ndern betrachtet, waren die meisten Auslandsforderungen nach Deutschland aushaftend (rund 17%), gefolgt vom Vereinigten Ko‹nig- reich mit 13% und Italien mit rund 5%. An vierter Stelle lag bereits Polen als erstes neues Beitrittsland, unmit- telbar gefolgt von den USA, Ungarn, den Niederlanden, der Tschechischen Republik sowie Frankreich und Kroa- tien. Diese zehn La‹nder hatten in Summe einen Anteil von u‹ber 60%

an allen Auslandsforderungen inne.

Somit wurden im Juni rund 31% aller unkonsolidierten Aktiva im Ausland veranlagt — mit weiterhin steigender Tendenz. Im Dezember 2003 hatte sich dieser Prozentsatz noch auf rund 29% belaufen.

Auf der Passivseite lag der Anteil der Auslandsverbindlichkeiten im Juni 2004 bei 30,6% der Gesamtbilanz- summe. Hier waren es hauptsa‹chlich die im Ausland emittierten verbrief- ten Verbindlichkeiten, die mit einem Plus von mehr als 10% fu‹r den An- stieg verantwortlich zeichneten.

Einlagenwachstum bei 2%

Der Stand der Einlagen wuchs im ers- ten Halbjahr 2004 mit rund 2% nur geringfu‹gig langsamer als im Ver- gleichshalbjahr 2003. Der Anteil der Spareinlagen an allen Einlagen belief sich auf etwas mehr als 65% und sank in den vergangenen Jahren leicht zu- gunsten kurzfristigerer Sichteinlagen (z. B. Girokonten). Nichtsdestotrotz waren Spareinlagen — und insbeson- dere Bauspareinlagen — nach wie vor bei den Anlegern sehr beliebt und stiegen nur geringfu‹gig schwa‹cher als im Rekordhalbjahr 2003 (siehe Gra- fik 4). Der durchschnittliche Zinssatz fu‹r Spareinlagen lag im Juni mit 2,22% auf demselben Niveau wie im Dezember 2003.

Dem gegenu‹ber stand im ersten Halbjahr eine nur geringfu‹gig bes- sere kapitalgewichtete Gesamtperfor- mance aller o‹sterreichischen Invest-

Kumulative Veränderung der Spareinlagen

1,5 1,0 0,5 0

–0,5

–1,0

–1,5

–2,0 Juni 1997

Quelle: OeNB.

in %

Grafik 4

Juni1998 Juni

1999 Juni

2000 Juni

2001 Juni

2002 Juni

2003 Juni 2004

Stat i s t i k e n Q 4 / 0 4 2 5

(26)

mentfonds von 2,7%. Der von den heimischen Kapitalanlagegesellschaf- ten verwaltete Vermo‹gensbestand be- lief sich per Juni 2004 auf 118,6 Mrd EUR und erho‹hte sich gegenu‹ber Dezember 2003 mit 6,9% wesentlich sta‹rker als die Spareinlagen. Deren Stand erreichte zum selben Stichtag einen Wert von 133,4 Mrd EUR.

Statistisch gesehen waren im Juni 2004 70% aller O ‹ sterreicher im Be- sitz eines Bausparvertrags, wogegen der wertma‹§ige Anteil der Bauspar- einlagen an sa‹mtlichen Spareinlagen nur bei rund 13% lag. Somit geho‹rten jedem O ‹ sterreicher im Durchschnitt Spareinlagen im Wert von 16.700 EUR, wovon 2.100 EUR in Form einer Bauspareinlage gehalten waren.

Des Weiteren lag per 30. Juni 2004 auf den 3,8 Millionen Gehalts- und Pensionskonten durchschnittlich ein Betrag von rund 3.000 EUR.

Neben den Einlagen erho‹hten sich passivseitig auch die eigenen Inlands- emissionen an Nichtbanken mit 5,0%

relativ deutlich. Der Zuwachs wurde je zur Ha‹lfte von den begebenen Schuldverschreibungen (zum Bo‹rsen- handel zugelassene Papiere) und ande- ren verbrieften Verbindlichkeiten, wie z.B. Kassenobligationen oder Namens- schuldverschreibungen, getragen.

Risikoreichere Engage- ments im Bereich der Derivativgescha ‹ fte

Das Volumen der Derivativgescha‹fte belief sich per Juni 2004 auf das 3,4fache der Gesamtbilanzsumme aller heimischen Banken. Es blieb seit Beginn des Jahres im Wesentlichen konstant, innerhalb der einzelnen Kategorien waren jedoch starke Ru‹ckga‹nge der Wechselkursvertra‹ge (—16,3%) sowie ein Plus bei der volu- menma‹§ig bedeutendsten Gruppe, den Zinssatzvertra‹gen (+2,0%), fest-

zustellen. Da das Eigenmittelerforder- nis fu‹r die Derivativgescha‹fte relativ sta‹rker als deren Volumen anstieg, la‹sst das darauf schlie§en, dass die Banken im Bereich der besonderen au§erbilanzma‹§igen Finanzgescha‹fte etwas risikoreichere Engagements ein- gegangen sind.

Pensionskassen weiter im Trend

Abseits der Banken konnten im ersten Halbjahr 2004 noch folgende wesent- liche Entwicklungen im Bereich der Pensionskassen sowie der Versiche- rungen festgestellt werden:

Der Vermo‹gensbestand der Pen- sionskassen erho‹hte sich um 4,8% auf insgesamt rund 9,6 Mrd EUR. Der Aufwa‹rtstrend des Vermo‹gensbestands der Pensionskassen ha‹lt nun schon seit dem vierten Quartal 2002 an und be- schert den Pensionskassen damit seit Mitte 2003 immer neue Ho‹chstwerte.

Aufgrund der derzeitigen Diskussion u‹ber die Ho‹he und Form der staat- lichen Pension erfreuen sich die Pen- sionskassen immer gro‹§erer Beliebt- heit. Die Asset Allocation der Pensi- onskassen wurde nahezu unvera‹ndert belassen, Investmentzertifikate mit einem Wert von rund 9 Mrd EUR blieben weiterhin die wichtigste An- lageform der Pensionskassen, wobei 90,2% auf Zertifikate inla‹ndischer Emittenten und 4,4% auf Zertifikate ausla‹ndischer Emittenten entfielen.

Der Rest setzte sich aus Rentenwerten und anderen Wertpapieren zusammen.

Die heimischen Versicherungen konnten im ersten Halbjahr 2004 ihre Aktiva um 3,3% auf 65,9 Mrd EUR nur marginal sta‹rker als im Ver- gleichszeitraum 2003 (+3,1%) stei- gern. Der diesja‹hrige Anstieg resul- tierte vor allem aus einem starken Wachstum von ausla‹ndischen Renten- wertpapieren (+17,4%).

2 6 Stat i s t i k e n Q 4 / 0 4

(27)

Ausgewa‹hlte Kennzahlen aus dem Bereich der Finanzstatistik

unkonsolidiert Stand Juni 2004 Vera‹nderung im

1. Halbjahr 2004

Vera‹nderung im 1. Halbjahr 2003

Anzahl der Hauptanstalten 895 1 1

Anzahl der vollkonsolidierten Auslandsto‹chter 71 3 x

in Mio EUR in %

Bilanzsumme 636.037 5,1 3,2

Direktkredite 244.235 2,0 0,5

Spareinlagen 133.406 0,9 1,1

Vermo‹gensbestand Pensionskassen 9.555 4,8 8,7

Volumen Investmentfonds 118.642 6,9 4,3

in % in Prozentpunkten

Anteil der FW-Kredite an Gesamtkrediten 19,4 1,0 0,5

Anteil der Kredite in JPY an FW-Gesamtkrediten 7,2 4,9 16,1

Anteil der Kredite in CHF an FW-Gesamtkrediten 85,8 4,3 15,7

Anteil Auslandsaktiva an der Bilanzsumme 30,6 1,8 2,1

Anteil Auslandspassiva an der Bilanzsumme 30,6 0,8 0,6

Volumen Derivativgescha‹fte in % der Bilanzsumme 340,3 19,0 225,4

Cost-Income-Ratio 65,9 2,4 0,3

Relation Nettozinsertrag/Betriebsertra‹ge 49,8 0,5 1,0

Relation Personalaufwand/Betriebsaufwendungen 51,0 1,4 0,9

Capital Ratio 15,2 0,4 0,5

Quelle: OeNB.

Stat i s t i k e n Q 4 / 0 4 2 7

(28)

das Betriebsergebnis der in O ‹ sterreich ta‹tigen Kreditinstitute auf 2,42 Mrd EUR und lag mit 13,9% deutlich u‹ber dem Wert der Vergleichsperiode 2003.

Somit konnte die im ersten Quartal 2004 beobachtete positive Entwick- lung des Betriebsergebnisses auch im zweitenQuartal 2004 fortgesetzt wer- den. Die sektorale Betrachtung zeigt, dass eine Steigerung des Betriebsergeb- nisses von den Sparkassen (+31,3%), den Raiffeisenbanken (+9,9%), den Landes-Hypothekenbanken (+7,4%), den Volksbanken (+7,0%), den Aktienbanken (+5,3%) und den Son- derbanken (+1,1%) erzielt werden konnte. Eine Verringerung des Be- triebsergebnisses war im Sektor Bau- sparkassen (—33,2%) zu beobachten.

Bei der Interpretation der Vera‹nde- rungen bei Aktienbanken und bei Son- derbanken ist auf die bereits ange- fu‹hrte Sektorumreihung Ru‹cksicht zu nehmen.) Das Verha‹ltnis Betriebs- ergebnis zur durchschnittlichen Bilanz- summe im ersten Halbjahr 2004 be- trug 0,39% und erho‹hte sich gegen- u‹ber dem ersten Halbjahr 2003 um 0,02 Prozentpunkte. Die Betriebs- ertra‹ge stiegen im ersten Halbjahr 2004 um 3,6% auf 7,08 Mrd EUR.

Die Betriebsaufwendungen verringer- ten sich mit 1,0% auf 4,67 Mrd EUR.

Somit konnte die Cost-Income-Ratio in den ersten zwei Quartalen 2004 um 3,1 Prozentpunkte deutlich ver- bessert werden und betrug 65,9%.

1

Der vorliegende Bericht basiert auf Daten der Quartalsberichtsmeldung erstes Halbjahr 2004. In dieser Meldung werden die Ertragsdaten der in O‹sterreich ta‹tigen Kreditinstitute auf unkonsolidierter Basis erfasst. Sa‹mtliche sektoralen Vergleiche, insbesondere im Bereich Aktienbanken und Sonderbanken mit dem Vorjahr, sind im Sinne der Sektorumreihungen ab dem Berichtstermin Juni 2004 (eigener Hauptsektor: Zweigstellen gema‹§ ⁄ 9 BWG) zu sehen.

Cost-Income-Ratio

8.000 7.000 6.000 5.000 4.000 3.000 2.000 1.000 0

Quelle: OeNB.

in Mio EUR

Grafik 1

Betriebsaufwendungen Betriebserträge Cost-Income-Ratio

2001Juni

71 70 69 68 67 66 65 64 63 in %

2002Juni Juni

2003 Juni

2004

2 8 Stat i s t i k e n Q 4 / 0 4

(29)

Die Landes-Hypothekenbanken (58,3%), die Sonderbanken (62,7%), die Raiffeisenbanken (63,8%) und die Aktienbanken (64,5%) lagen bei dieser Kennzahl u‹ber dem Bran- chendurchschnitt. Die Volksbanken (66,1%), die Sparkassen (68,0%), die Zweigstellen gema‹§ ⁄ 9 BWG (77,5%) und die Bausparkassen (86,0%) hatten eine schlechtere Cost- Income-Ratio als der Durchschnitt der in O ‹ sterreich ta‹tigen Kredit- institute. Im Verha‹ltnis zur durch- schnittlichen Bilanzsumme verringer- ten sich sowohl die Betriebsertra‹ge (—0,03 Prozentpunkte) als auch die Betriebsaufwendungen (—0,06 Pro- zentpunkte). Die Analyse der Struk- tur der Betriebsertra‹ge auf Ebene

der einzelnen Sektoren zeigt folgendes Bild: Der Anteil des Nettozinsertrags an den gesamten Betriebsertra‹gen betrug bei den Landes-Hypotheken- banken 69,8%, den Bausparkassen 56,5% und den Volksbanken 53,8%.

Infolgedessen konnten die angefu‹hr- ten Sektoren einen sehr hohen Anteil ihrer Ertra‹ge aus dem Zinsgescha‹ft lukrieren. Die Relation Saldo aus dem Provisionsgescha‹ft zu den gesam- ten Betriebsertra‹gen belief sich bei den Sparkassen auf 26,2%, den Son- derbanken auf 25,7% und den Aktien- banken auf 25,0%. Somit lieferten bei diesen Sektoren die Provisionsertra‹ge einen relativ hohen Beitrag zu den gesamten Betriebsertra‹gen.

Nettozinsertrag steigt leicht an

Im ersten Halbjahr 2004 meldeten die in O ‹ sterreich ta‹tigen Kreditinstitute eine Steigerung des Nettozinsertrags um 0,9% auf 3,53 Mrd EUR. Trotz- dem verringerte sich die Relation Net- tozinsertrag zu den gesamten Betriebs- ertra‹gen um 1,3 Prozentpunkte und lag zum Berichtszeitpunkt bei 49,8%.

Das Verha‹ltnis Nettozinsertrag zur durchschnittlichen Bilanzsumme be- lief sich auf 0,57% (erstes Halbjahr 2003: 0,60%). Die Zinsen und zins- a‹hnlichen Ertra‹ge betrugen 10,33 Mrd EUR und lagen um 2,5% unter dem Vergleichswert 2003. Zugleich verringerten sich die Zinsen und zins- a‹hnlichen Aufwendungen mit 4,3%

auf 6,80 Mrd EUR etwas sta‹rker.

Struktur der Betriebserträge

Quelle: OeNB.

Grafik 2

49,8 8,2

4,4

23,6

14,0

Nettozinsertrag Erträge aus Wertpapieren und Beteiligungen Saldo Provisionsgeschäft Saldo Finanzgeschäft Sonstige betriebliche Erträge Anteil in %

Stat i s t i k e n Q 4 / 0 4 2 9

Referenzen

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